Elke Anna Werner

Albrecht Dürer,Die vier Reiter (Detail), Blatt 3 der Apokalypse, 1498

Albrecht Dürer, Die vier Reiter (Detail), Blatt 3 der Apokalypse, 1498

Dr. Elke Anna Werner

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Forschungsprojekte

Ausgehend von dem Befund, dass es nicht die „eine Evidenz“, sondern verschiedene Evidenzbegriffe und –verständnisse gibt und diese sich besonders gut dann fassen lassen, wenn auch das Verhältnis von Evidenz und Nicht-Evidenz in den Blick genommen wird, werden unterschiedliche formale, materiale, mediale und historisch-kulturelle Konstellationen untersucht, in denen Evidenz als ein Faktor des Liminalen verhandelt wird.

Transferprojekt
Evidenz ausstellen. Praxis und Theorie der musealen Vermittlung von ästhetischen Verfahren der Evidenzerzeugung
(Ko-Leitung mit Prof. Dr. Klaus Krüger)

Ziel des Transferprojektes ist es, Ausstellungen und museale Displays als komplexe Konfigurationen der ästhetischen Bedeutungserzeugung und –vermittlung zu analysieren, die sowohl durch die Evidenzeffekte der ausgestellten Werke als auch durch die sinnstiftenden Formen und Verfahren des Display bestimmt werden. Die besondere Relevanz von Ausstellungen für die Erforschung bildlicher Evidenz liegt in ihrer genuinen Eigenschaft des Zeigens und Vor-Augen-Stellens. Sie erzeugen Sichtbarkeit und machen so Vergangenes in der Gegenwart erfahrbar, halten zugleich aber die Techniken dieser Sichtbarmachtung für den Betrachter präsent. Mit einer modellhaften Ausstellung (Double Vision. Albrecht Dürer & William Kentridge, Kulturforum, Berlin 2015/16) soll in einer ersten Projektphase diese Konstellation exemplarisch untersucht werden. Die Ergebnisse dieser praktischen Erprobung bilden die Grundlage für eine Monographie zur Ausstellungstheorie aus kunsthistorischer Perspektive, die den neuen und erweiterten Bild- und Evidenzbegriff der Kolleg-Forschergruppe in der expositorischen Praxis verankert.

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Evidenzen im Umbruch. Cranach und die Reformation der Bilder im 16. Jahrhundert

Durch die Reformation wurden nicht nur traditionelle Glaubenswahrheiten, sondern auch der Status und die Funktion von Bildern grundsätzlich in Frage gestellt bzw. neu bestimmt. Die geplante monographische Arbeit untersucht das Oeuvre Lucas Cranachs d. Ä. und seiner Söhne im Hinblick darauf, wie sie den tiefgreifenden Wandel ihrer Zeit und die daraus resultierenden Veränderungen der kulturellen Sinnstiftung reflektierten und in ihren Werken mit innovativen Formen, Themen, Materialien, Techniken und Medien unterschiedliche Verfahren visueller Evidenzerzeugung erprobten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei den Aushandlungsprozessen zwischen dem Paradigma einer mimetisch-illusionistischen Darstellungsform und dem Anspruch von symbolisch-allegorischen Funktionen der Bilder. Damit leistet das Vorhaben einen Beitrag zur genaueren Konturierung der Kategorie der Evidenz im 16. Jahrhundert als einer Epoche des Übergangs, in der die Zusammengehörigkeit so unterschiedlicher Felder und Funktionen von Evidenz, wie die Rhetorik der Anschaulichkeit und ein epistemischer Wahrheitsanspruch, sich im 17. und 18. Jahrhundert als der „Epoche der Evidenz“ (Campe) in einen poetischen und wissenschaftlichen Geltungsbereich ausdifferenzieren.

Vita

Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Klassischen Archäologie in Berlin und Bonn. 1998 Promotion in Kunstgeschichte an der FU Berlin (über Schlachtenbilder und ihre Authentizitätsstrategien in der Frühen Neuzeit). 1997-2001 Volontariat und wissenschaftliche Mitarbeit am Westfälisches Landesmuseum, Münster im Rahmen der Europaratsausstellung „1648 – Krieg und Frieden in Europa“. 2001-2003 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Warburg-Haus, Hamburg. 2005-2009 Leitung des Forschungsprojektes zur Erstellung eines Bestandskatalog der Cranach-Gemälde im Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG), Berlin-Brandenburg, Co-Kuratorin der Ausstellung „Die Renaissance in Berlin. Lucas Cranach d. Ä. und die höfische Repräsentation der brandenburgischen Hohenzollern“ (2009/2010). 2006-2009 Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsverbund „Theater und Fest in Europa“, Kunsthistorisches Institut, FU Berlin. 2009-2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Kunsthistorischen Institut, FU Berlin. seit Juni 2012 Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz. Geschichte und Ästhetik. zahlreiche Aufenthalte als Gastwissenschaftlerin (u.a. in Florenz, New York, Austin/Texas).

Forschungsschwerpunkte

  • Europäische Kunst der Frühen Neuzeit, besonders deutsche Renaissancekunst
  • Verhältnis von künstlerischer Praxis und Bildtheorie
  • Praxis und Theorie der Ausstellung/des Museums
  • Kunst und Wissenstransfer
  • Kriegsbilder

Publikationen

Double Vision. Albrecht Dürer & William Kentridge, hg. mit Klaus Krüger und Andreas Schalhorn München 2015.

Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder, hg. mit Anne Eusterschulte, Gunnar Heidenreich, München 2015.

Präsenz und Distanz. Zur Porträtkunst Lucas Cranachs des Jüngeren, in: Lucas Cranach der Jüngere. Entdeckung eines Meisters, hg. v. Katja Schneider, Roland Enke, Jutta Strehle, Katalog des Landesausstellung Sachsen-Anhalt, München 2015, S. 103-113.

Anthropomorphic Maps: On the Aesthetic Form and Political Function of Body Metaphors in the Early Modern Discourse, in: Walter S. Melion, Bret Rothstein, Michel Weemans (Hg.), The Anthropomorphic Lens. Anthropomorphism, Microcosmism and Analogy in Early Modern Thought and Visual Arts (Intersections. Interdisziplinary Studies in Early Modern Culture), Leiden/Boston 2015, S. 251-270.

Lucas Cranach the Elder. Production Processes and Invention, in: The Challenge of the Object, hrsg. von G. Ulrich Großmann, Petra Krutisch, Congress Proceedings of the 33rd Congress of the International Committee of the History of Art 2012, Nürnberg 2013, S. 613-617.

Kulturtransfer bei Lucas Cranach d. Ä. Medien, Formen und Semantiken am kursächsischen Hof in Wittenberg, in: Kulturtransfer am Fürstenhof: Höfische Austauschprozesse und ihre Medien im Zeitalter Kaiser Maximilians I., hg. v. Udo Friedrich, Matthias Müller, Karl-Heinz Spieß, Berlin 2013, S. 243-270.

→ Gesamtliste der Veröffentlichungen

Aktuell

Albrecht Dürer. 500 Jahre Meisterstiche

Ausstellung im Kabinett der Gemäldegalerie als Ergebnis eines Projektseminars. Kooperation mit Dr. Michael Roth, Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin

21.01.-23.03.2014, Berlin

Lucas Cranach der Jüngere und die Reformation der Bilder

Internationales Symposion in Kooperation mit der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

20.-22.03.2014, Wittenberg

 
Tagungsprogramm

Jahrestreffen des Arbeitskreises Niederländische Kunst- und Kulturgeschichte e. V. (ANKK)

„Künstlerwissen und das Wissen der Kunst in den Niederlanden und im deutschen Sprachraum“

Datum:  8./9.11.2013

Orte: Gemäldegalerie und Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin, Kunsthistorisches Institut der Freien Universität Berlin

Konzeption, Moderation und Organisation (mit Holm Bevers (Kupferstichkabinett), Anna Degler (KHI der FU Berlin) , Karin Gludovatz (KHI der FU Berlin), Karin Leonhard (MPIWG), Stephan Kemperdick (Gemäldegalerie), Tanja Michalsky (Universität der Künste))

 
↓ vollständiges Programm (PDF)

Workshop „Evidenz und Faktur. Zur ästhetischen Sinnproduktion im künstlerischen Werkprozess“ mit William Kentridge

Datum: 22./23.10.2013

Orte: Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz. Geschichte und Ästhetik“/Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin (SPK)

Konzeption und Moderation (mit Dr. Andreas Schalhorn, Kupferstichkabinett)

Kontakt

Elke Anna Werner

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 110
Tel.: +49(0)30-838-51706

elke.werner@fu-berlin.de

Homepage am KHI der FU