Robert Kehl

Robert Kehl M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Forschungsprojekt

Geschichte als Kunst – Dokument, Relikt und Zeugnis in der Kunst seit 1980

 

Eine zentrale Konsequenz des kulturwissenschaftlichen Gedächtnisbegriffs ist eine Dezentrierung der Geschichtswissenschaft hinsichtlich des Zugriffs auf Vergangenheit. Geschichte gilt ihm als konventionales Ergebnis von Aushandlungsprozessen innerhalb vieler gesellschaftlicher Felder, deren Fluchtpunkt die Konflikte und Bedürfnisse der jeweiligen Gegenwart sind. Das moderne Postulat der künstlerischen Autonomie, sei diese funktional oder formal-ästhetisch verstanden, fordert diese Perspektive durch die vielfältigen Differenzsetzungen der Kunst ein: Die Maximen etwa der wissenschaftlichen Objektivität, der logischen Stringenz, historiografischer Faktentreue, der strengen Unterscheidung von Realität und Fiktion usw. sollen hier keine Autorität mehr beanspruchen dürfen und historische Ereignisse kommen oft nur andeutungshaft ins Spiel. Wie aber kann Geschichtskunst dann übersubjektive Relevanz reklamieren? Was ist Geschichte, als Kunst?

Das Dissertationsprojekt möchte diese Leitfrage auf zweifache Weise konkretisieren: erstens liegt im Fokus auf zeitgenössische künstlerische Strategien um Umgang mit Dokumenten, Zeugnissen und Relikten ein Testfall vor, an dem sich der Abstand zur Geschichtswissenschaft ermessen lässt (denn ebenjene sind ihre vorrangigen Gegenstände). Zweitens sollen künstlerischen Auseinandersetzungen mit Nationalsozialismus und Shoah Zentrum und Angelpunkt der Arbeit sein, weil gerade hier der Kunst besondere Darstellungsvermögen zu- bzw. abgesprochen worden sind.

Vita

Magisterstudium der Kunstgeschichte, Gender Studies und Philosophie an der Freien Universität und der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Università La Sapienza in Rom, beendet mit einer Abschlussarbeit über Verfahren des Geschichtsbezugs in der Malerei Luc Tuymans’. 2006-2011 Tätigkeit beim Besucherservice des Jüdischen Museums Berlin. 2010-2012 studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Kunst Afrikas (Prof. Dr. Tobias Wendl) sowie beim am Forschungsprojekt „Medialisierungen der Aktionskunst von Joseph Beuys“ (Prof. Dr. Klaus Krüger / Dr. Matthias Weiß). Seit Juli 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz.

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte und Erinnerung in zeitgenössischer Kunst
  • Die Aktionskunst Joseph Beuys’
  • Die Entstehung des autonomen Porträts der Frühen Neuzeit

 

Kontakt

Robert Kehl

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 109
Tel.: +49(0)30-838-57638

robert.kehl@fu-berlin.de