Julia Lutz

Madame d’Ora, Pferdebeine auf dem Pariser Schlachthof, ab 1946

Madame d’Ora, Pferdebeine auf dem Pariser Schlachthof, ab 1946

Julia Lutz, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Forschungsprojekt

«…grausig und nicht für Jedermann.»
Strukturen des Schocks in den Schlachthoffotografien von Madame d’Ora und Eli Lotar.

1929 soll Eli Lotar in der Zeitschrift Documents, herausgegeben von Georges-Henri Rivière und Georges Bataille, für das sogenannte ‚Wörterbuch’ das Stichwort ‚Schlachthof’ illustrieren: Er geht in den Pariser Schlachthof La Villette und kehrt mit verstörenden, aber ebenso feinfühligen und durchdacht arrangierten Fotografien zurück. Nur 17 Jahre später, zwischen 1946 und 1955, nimmt die Fotografin Madame d’Ora hunderte Fotografien im selben Schlachthof von La Villette auf: Kadaver von Schweinen, Rindern und Pferden – aufgeschlitzte Kehlen, aufgehängte und gehäutete Körper und in Blut liegende abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen. Die bisherige Auseinandersetzung mit diesen Fotografien beschränkte sich meist auf eine rein inhaltlich-ikonographische Analyse. Hingegen soll nun eine Analyse der Bilder selbst stattfinden und damit Beschreibungskategorien eröffnen, die darlegen, was letztlich ihren „Chock“ hervorruft.

Die Promotion verfolgt das Vorhaben, anhand der Fotografien von Madame d’Ora und Eli Lotar, eine Lesart zu eröffnen, der eine formästhetische Betrachtung des Bildkörpers zu Grunde liegt, anstatt ausschließlich den bloßen Zeichencharakter der Fotografien zu betonen. So können die erarbeiteten Kriterien eine Basis bilden, um sich mit Schock- bzw. Gewaltfotografien auseinandersetzen zu können, ohne dabei auf eine rein rezeptionsbedingte und motivische Betrachtungsweise fokussiert zu sein.

Vita

Studium der Kunstgeschichte, Europäischen Ethnologie, Ästhetik und Kulturphilosophie an der Universität Wien und der Freien Universität Berlin. Abschlussarbeit mit dem Titel: Madame d’Ora, Schlachthoffotografie der 1950er Jahre. Versuch einer gesellschaftspolitischen und psychologischen Lesart.
Seit Juli 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz.

Forschungsschwerpunkte

  • Schockfotografie von 1920 bis 1960
  • Erinnerungskulturen des Holocaust
  • Jüdische Künstlerinnen und Künstler des 20. Jahrhunderts
  • Kunst- und Kulturgeschichte Wiens in der Moderne

Kontakt

Julia Lutz

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Tel.: +49(0)30-838-908560

julia.lutz@fu-berlin.de

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