Henry Kaap

Lorenzo Lotto, Rosenkranzmadonna (Detail), 1529, Chiesa di San Nicolò, Cingoli

Henry Kaap, M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Forschungsprojekt

«…anconam, omni arte ingenioque humano possibili faciendam…»
– Künstlermobilität und Transregionalität: Zur ästhetischen Struktur von Lorenzo Lottos Altargemälden

 

Trotz aktueller Studien zur Künstlermobilität beschränkt sich die Kunstgeschichtsschreibung zum frühneuzeitlichen Italien nach wie vor häufig auf die Rekonstruktion von ‹Einflüssen›, die aus den kulturellen Zentren Rom, Florenz oder Venedig auf die in der ‹Provinz› entstandene Kunst eingewirkt hätten. Das Promotionsprojekt strebt an, diese problembehafteten ‹Beeinflussungs›-Narrative aufzubrechen, indem es den vielgereisten und somit transregional agierenden Maler Lorenzo Lotto (1480–1556/57) als Modellfall für das Wechselverhältnis von künstlerischer Mobilität und künstlerischem Ausdruck in den Blick nimmt.

Mittels einer werknahen Analyse der ästhetischen Struktur paradigmatischer Altarbilder soll aufgezeigt werden, dass Lotto in der Wahl von Stilen, Motiven und Ikonographien nicht lokalen Präferenzen folgt, sondern klar bestimmbare Aussagestrategien umsetzt. In unterschiedlichen Fallstudien, etwa der Deposizione (1512) in Jesi, gilt es zu klären, auf welche Weise die Altargemälde innerhalb der Bereiche Religion, Politik und Soziologie liturgische und repräsentative Botschaften in einem Akt bewusster ästhetischer Zurichtung kunstvoll vereinen. Der historischen Objektivierung ästhetischer Phänomene werden Überlegungen zur strategisch-funktionalen Instrumentalisierung der Altarwerke im Kontext der politisch-religiösen Umbruchsituation der ersten Hälfte des 16. Jh. angeschlossen. Dabei wird die These vertreten, dass Lotto bei seiner Bildgestaltung aus dem traditionellen Formenkanon heraus Veränderungen vornimmt, die vor dem Hintergrund eines neuen Heiligenverständnisses gleichfalls neue Funktionen für die Altargemälde bedeuten. Als fortlaufendes Argument stehen dabei Betrachtungen bezüglich der Imagination und ihrer kreativen Einflussnahme auf den Prozess der Erkenntnisgenerierung im Vordergrund.
Methodisch will die Dissertation dabei jene Implikationen des vergleichenden Sehens – verstanden als ein ästhetisch wertendes, normatives Verfahren – kritisch hinterfragen, die zu Hierarchisierungen in der Kunstgeschichtsschreibung geführt haben und bis heute nachwirken, etwa die zwischen ‹Zentrum› und ‹Peripherie›.

Vita

Studium der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie sowie Neueren und Neusten Geschichte in Berlin und Rom. 2007-2012 stud. Hilfskraft in den Projekten „Signa und Res – Bildallegorien in der Renaissance (14.-16. Jh.)“ sowie „Das Wissen der Kunst. Diskurse, Medien und Institutionen im transnationalen Vergleich (13.-17. Jh.)“ jeweils unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Krüger. Passim Lektorat wissenschaftlicher Publikationen. Seit 2010 Mitglied im Vorstand des Ulmer Vereins – Verband für Kunst- und Kulturwissenschaften e.V. 2011 Magisterabschluss in Kunstgeschichte an der Freien Universität Berlin. 2013-2015 wiss. Hilfskraft der Direktion von Prof. Dr. Gerhard Wolf am Kunsthistorischen Institut in Florenz – Max-Planck-Institut. 2015-2016 Doktorand ebendort. Seit Ende Juni 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz im interdisziplinären Forschungsprojekt „Iconic Presence: The Evidence of Images in Religion“ im Rahmen des Balzan-Preises von Prof. Dr. Hans Belting.

Forschungsschwerpunkte

  • Italienische Kunst und Kultur der Frühen Neuzeit (14.-17. Jh.)
  • Künstlerische Mobilität
  • Ästhetiken des Widerstands
  • Musikvideos

Publikationen

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Kontakt

Henry Kaap

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Tel.: +49(0)30-838-50966

hkaap@zedat.fu-berlin.de

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