Eva Wilson

David Brewster, Linsenstereoskop, 1856

David Brewster, Linsenstereoskop, 1856

Eva Wilson M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Forschungsprojekt

Fotografie gilt als ein augenscheinlich evidentes und selbstreferentielles Indiz einer objektiven und objektivierbaren Wirklichkeit. Dabei ist die Form, die diese Lichteinschreibung annimmt, eine dezidiert bildhaft geronnene Sichtbarkeit und fügt sich damit in eine Tradition ikonographischer Hermeneutik ein. Die Anfänge dieser Mediengeschichte spielen sich im 19. Jahrhundert auch außerhalb eines streng bildwissenschaftlichen Interesses etwa im Bereich der Physik, Chemie und Mathematik ab und rücken damit in ihrer Funktion den Terminus der Evidenz in den Naturwissenschaften in die Nähe des englischen Begriffs der „evidence“.

Diese „harte“ Definition des Begriffs faltet sich im Falle der frühen Fotografie über einen ästhetisch bestimmten Evidenzbegriff, der vor allem mit bildanthropologischen Mitteln arbeitet. Die Dissertation soll die sich zur Mitte des 19. Jahrhunderts etablierende Experimentalkultur unter Einsatz der neuen fotografischen Technik untersuchen, spezifisch im Hinblick auf das Medium der Stereoskopie, ein bis dato unterbelichtetes Kapitel der frühen Fotografiegeschichte. Die erstmals in der Stereoskopie exerzierte Ablösung von einem monokularen Bild zu einem binokularen, multiperspektivischen und simulativen Bildsystem, trägt sich seitdem in räumlichen Konzepten der im frühen 20. Jahrhundert aus technischen Medien gewonnenen elektronischen und digitalen Künsten fort.

Ob eine im 19. Jahrhundert entstehende visuelle Sprache von dreidimensionalen Graphemen in Verbindung zu bringen ist mit ästhetisch verselbständigten künstlerischen Produktionen des 20. Jahrhunderts bis hin zu frühen computerbasierten Animationen, und wie in diesen Fällen im Bereich der Informatik und Simulation der Begriff der Evidenz überhaupt zu fassen ist, soll ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit sein. Die Stereoskopie als Frühform einer auszulotenden Konzeption von Virtualität und Simulation steht im Mittelpunkt dieser Untersuchung einer Epistemologie von (foto-) grafischer Evidenz.

Vita

Studium der Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft und Philosophie an der Freien Universität und Humboldt-Universität zu Berlin. 2004-2011 künstlerische Assistentin von Olaf Nicolai, 2008-2011 studentische Hilfskraft im Exzellenzcluster „Languages of Emotion“ im Projekt „Die Wirklichkeit bildlicher Affektdarstellungen“ (Leitung: Prof. Dr. Klaus Krüger). 2011-2013 Assistant Curator bei der Kunststiftung Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (TBA21), Wien, und seit Juni 2012 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz. 2014-2015 Direktorin des Schinkel Pavillons Berlin.

Forschungsschwerpunkte

  • Fotografie und Stereoskopie des 19. Jahrhunderts
  • Frühe Computergraphik
  • Raum, Simulation und Virtualität 1850-1950
  • Zeitgenössische Kunst und kuratorische Praxis

Publikationen

Hinter den Spiegeln. Virtualität und virtuelle Bilder im 19. Jahrhundert, in: Periphere Visionen. Wissen an den Rändern von Fotografie und Film, hg. von Heide Barrenechea, Marcel Finke und Moritz Schumm, Paderborn 2016 (im Druck).

Ragnar Kjartansson: The Visitors, ed. by Eva Wilson, London: Bel-Air Glamour Records/The Vinyl Factory 2016.

Seeing Double. Welt, Raum und Betrachter in der frühen Stereoskopie, in: Rundbrief Fotografie, Vol. 21 (2014), No. 1/2, S. 25-36.

Cerith Wyn Evans: The What If?… Scenario (after LG), hg. v. Eva Wilson und Daniela Zyman, Berlin: Sternberg Press 2013.

Sharon Lockhart | Noa Eshkol, hg. v. Eva Wilson und Daniela Zyman, Berlin: Sternberg Press 2012.

Simon Starling / SUPERFLEX: Reprotoypes, Triangulations and Road Tests, hg. v. Daniela Zyman und Eva Wilson, Berlin: Sternberg Press 2012.

„Watch your attitude, young lady.“ Die Vorstellung der Histrionikerin und die Hysterie der Schönen Seele, von Emma Hamilton bis Augustine, in: Ilinx, 2 (Mimesen), Berlin: Philo Fine Arts 2011, S. 77-101.

Fotografische Re-Inszenierungen protofotografischer Blicke. Tom Hunters „Persons Unknown“, in: Re-Inszenierte Fotografie, hg. v. Klaus Krüger, Leena Crasemann und Matthias Weiß, München: Wilhelm Fink Verlag 2011, S. 151-178.

Aktuell

A pudding that endless screw agglomerates. Ausstellung im Polnischen Institut Berlin mit Arbeiten von Tomek Baran, Pauline Beaudemont und Nicolas Deshayes, kuratiert von Eva Wilson, 05.02.-02.04.2016

Cycle Music and Art Festival. Gruppenausstellung in Kópavagur, Island, kuratiert von Eva Wilson, Festival: 27.-30.10.2016, Ausstellung eröffnet am 27.10.2016.

Kontakt

Eva Wilson

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 109
Tel.: +49(0)30-838-53491

ewilson@zedat.fu-berlin.de