Dennis Jelonnek

Anonyme Polaroid-Aufnahmen, 1980er-Jahre

Anonyme Polaroid-Aufnahmen, 1980er-Jahre

Dennis Jelonnek M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Forschungsprojekt

Evidenz instantaner Bildproduktion – Polaroid

Das mittlerweile abgeschlossene Dissertationsprojekt, das sich mit der Geschichte und Ästhetik der fotografischen Sofortbildtechnik befasst, gliedert sich in drei Schwerpunkte, mit deren Festlegung sich im Gegensatz zu bisherigen Publikationen zum Thema nicht etwa der Versuch verbindet, den Gegenstand erschöpfend aufzuarbeiten und als Thema abzuschließen; vielmehr folgt die Einteilung der Hoffnung, diesen Gegenstand anhand von besonders prägnanten Aspekten für eine weitere Untersuchung ganz unterschiedlicher Diziplinen zu öffnen.

Die einleitenden Ausführungen zu „Technik und Gebrauch“ widmen sind der Analyse der exemplarischen ersten öffentlichen Erzeugung eines Sofortbildes, aus der eigentümliche Qualitäten dieser Bildtechnik und ihres Gebrauchs abgeleitet werden; sie fächern in einem zweiten Schritt die technische Entwicklungsgeschichte des Sofortbildverfahrens zwischen 1947 und 1993 anhand der Gestaltung von Werbeanzeigen auf und blicken abschließend auf die uneinheitliche Rezeption des Phänomens Polaroid im deutschsprachigen Raum seit den 1970er-Jahren.

Im zweiten Schwerpunkt der Arbeit, „Referenzen und Kontexte“, wird denjenigen historischen und zeitgenössischen Einflüssen auf das Unternehmen nachgegangen, die dieses im Zuge des Entwurfes und Vertriebes ihrer Produkte über die Jahrzehnte in verschiedener Weise nutzbar machte. Hierzu zählen die Verbindungen zu vorbildhaften Figuren aus der Geschichte der Fotografie und der Chemie, wie William Henry Fox Talbot und Michael Faraday, ebenso wie die Bezugnahme auf Zeitgenossen, etwa den Computerpionier Vannevar Bush oder den Philosophen John Dewey und dessen Schrift „Art as Experience“.

Die Untersuchung schließt mit einem Fokus auf den künstlerischen Umgang mit dem Produkt Sofortbildfotografie ab. Anhand von prägnanten Arbeiten von Robert Heinecken, Andy Warhol und Marcel Duchamp wird dieser unter dem Titel „Kunst und Konsum“ untersucht. Es sind hier Formen des Umgangs mit der Sofortbildfotografie, die diese als ein buchstäbliches Medium begreifen: als ein technisches Mittel der ästhetischen Arbeit an einer übergeordneten Idee, die es mitunter erfordert, andere Medien einzubeziehen und den Vorgang der Herstellung eines künstlerischen Artefakts gegenüber dessen Resultat aufzuwerten. Wiederholt treten einerseits performative Potentiale der Polaroid-Technik hervor, die sich durch ihre Automatisierung und Beschleunigung des fotografischen Prozesses ergaben. Andererseits gerät die Disposition des Ensembles aus Kamera und Film als einer auf Massenproduktion und Konsum ausgelegten Ware in den Blick, indem in den künstlerischen Arbeiten die Aspekte ihrer käuflichen Verfügbarkeit, ihrer Normierung als Produkt, ihrer Bewerbung und ihrer Zugehörigkeit zu einer spezifischen populären Kultur zum Tragen kommen.

Vita

2004-2011 Studium der Kunstgeschichte und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin, Magisterarbeit zum „Sofortbild-Verfahren als Wendepunkt der Fotografiegeschichte“. 2009-2012 Mitarbeit am Projekt „Das Technische Bild“ als Teil des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik der Humboldt-Universität zu Berlin, zuletzt als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Seit Juni 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz.

Forschungsschwerpunkte

  • Geschichte und Ästhetik des Polaroid Sofortbild-Verfahrens
  • Frühgeschichte der Fotografie und Bildgebungsverfahren des 19. Jahrhunderts
  • Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts

Publikationen

SX-70 – Polaroid instant photography through the Eameses’ eyes, in: William Ewing / Barbara Hitchcock / Foundation for the Exhibition of Photography (Hg.): The Polaroid Project – At the Intersection of Art and Technology, London 2017, S. 252-255.

SX-70 – Polaroid mit den Augen von Charles und Ray Eames, in: William Ewing / Barbara Hitchcock / Foundation for the Exhibition of Photography (Hg.): Das Polaroid Projekt. Die Eroberung durch die Kunst, München 2017, S. 252-255.

„Instant Masterpiece“, in: Cabinet, Heft 58 „Theft“, 2015, S. 48-55.

„Instant Masterpieces“ – Zur sofortbildfotografischen Reproduktion musealer Kunstwerke durch die Polaroid Corporation, in: Rundbrief Fotografie, Jg. 21, Heft 3 [N.F. 83], 2014, S. 8-26.

Selbstbild im Sofortbild. Visuelle Strategien der Polaroid Corporation, in: Fotogeschichte, Jg. 33, Heft 129, 2013, S. 29-38.

Die Polaroid Collection. Wiederentdeckung einer Firmensammlung, in: Fotogeschichte, Jg. 32, Heft 126, 2012, S. 61-63. (online)

Sofort Bild. Techniken der Evidenz des Polaroid, in: Fotogeschichte, Jg. 32, Heft 126, 2012, S. 71-72. (online)

Aktuell

Westlicht. Schauplatz für Fotografie, 24. Januar 2018, 19 Uhr
Vortrag im Rahmen der Ausstellung „The Polaroid Project“ (18. November 2017 – 25. Februar 2018): „Die Kunst der guten Werbung: Visuelle Strategien der Polaroid Corporation“

Forschungskolloquium Wissenschaftsgeschichte, ETH Zürich, 9. November 2015

Vortrag „New and powerful instrumentalities come into use“: Berührungspunkte zwischen Edwin Lands Sofortbildverfahren und Vannevar Bushs Analogrechner“

Tagung der Universität Luzern, 24. / 25. September 2015
„Kann man das wegwerfen? Fotografie, Gedächtnis, Ökonomie“
Universität Luzern, Frohburgerstraße 3, Raum 4.B55

Vortrag „Das fotografische Sofortbild zwischen Unmittelbarkeit und Entzug“(Ankündigung)

WIELS Contemporary Art Center Brüssel, 18. Juni 2014
Vortrag im Rahmen der Ausstellung „Robert Heinecken: Lessons in Posing Subjects“ (16. Mai – 18. August 2014):
„The vast difference between taking a picture and making a photograph – on Robert Heinecken’s Polaroid practice“
(Ankündigung)

HMI Workshop, 21. Mai 2014
„Sculpture, photography and mobility“
The Henry Moore Institute, Leeds
Vortrag „How to photograph sculptures with your Polaroid Land Camera“

Tagung der Sektion Geschichte und Archive der Deutschen Gesellschaft für Photographie in Berlin, 1. / 2. November 2013
„Zeitfragmente. Neue Tendenzen der Photographiegeschichte“
Museum für Fotografie, Berlin

Vortrag „‚Instant Masterpieces‘ – Zur Reproduktion von Kunstwerken im Polaroid Sofortbild“

Villa-Vigoni-Gespräch in den Geistes- und Sozialwissenschaften, 7.–11. Oktober 2013
„Beschriftungen der Fotografie. Neue Modelle der Medienhistoriographie /
Discorsi della fotografia. Nuovi modelli di storiografia mediale“
Konzeption und Organisation: Costanza Caraffa (Florenz), Steffen Siegel (Jena), Kelley Wilder (Leicester)
Loveno di Menaggio, Deutsch-Italienisches Zentrum

Vortrag „Fotografiegeschichte inbegriffen. Die Polaroid Sofortbildtechnik als strategisch beworbenes Konsumgut“
Nachwuchsforum, 29. / 30. August 2013

„Evidenz(en) technischer Bilder“
Eine Veranstaltung der Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz. Geschichte und Ästhetik“ in Kooperation mit der Abteilung „Das Technische Bild“ des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik an der Humboldt-Universität zu Berlin
Konzeption: Luisa Feiersinger und Dennis Jelonnek

Bildnachweis: Archiv Dennis Jelonnek

Kontakt

Dennis Jelonnek

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 109
Tel.: +49(0)30-838-50956

jelonnek@zedat.fu-berlin.de