Tom Holert

 

Tom Holert

Harun Farocki Institut Berlin, Kunstgeschichte

 

Aufenthalt

Mai 2019 – Juli 2019

Forschungsprojekt

Die documenta 5 von 1972 trug den Titel „Befragung der Realität – Bildwelten heute“. Es war das erste Mal, dass der Kasseler Ausstellung eine thematische Klammer gegeben wurde, die zudem paradoxerweise entgrenzende Funktionen hatte und über eine kunstimmanente Fragestellung hinausweisen sollte. Harald Szeemann, der künstlerische Leiter der documenta 5, suchte die Auseinandersetzung mit Realitäts- und Realismuskonzepten schon in den Monaten vor der Eröffnung recht programmatisch, um so eine diskursive Reiz- und Projektionsfläche zu schaffen, hinter der er relativ ungestört seine ästhetischen und künstlerischen Interessen als Kurator verfolgen konnte. Andererseits begaben sich Szeemann und sein Team mit dem verlautbarten Thema in eine um 1970 vor allem in der westdeutschen Kunstpädagogik, aber auch im Feuilleton intensiv geführte Debatte um politische Relevanz und Wirklichkeitseffekte der bildenden Kunst und der Rolle des „Bildes“ als Realitätsversicherung. Ich möchte das Fellowship nutzen, um einen Aufsatz zur Rekontextualisierung der documenta 5 zu verschriftlichen – in besonderem Hinblick auf die „Koautorschaft“, die dem Diskurs um „visuelle Kommunikation“ an der kuratorischen Programmatik der Ausstellung von 1972 m.E. zusteht. Der Text soll als Kapitel in das Buch Learning Curves. Art and Knowledge Production in the 1960s and 1970s Transatlantic West (diaphanes) aufgenommen werden.

Forschungsschwerpunkte

  • Die multiplen Krisen der Avantgarde(n) in den 1920er bis 1940er Jahren
  • Bildende Kunst und Film an den Schnittstellen von Wissenschaft,
    Forschung, Pädagogik und Politik in den 1950er bis 1970er Jahren
  • Das Jahr 1972
  • Harun Farocki
  • Gegenwartskunst und Wissenspolitik
  • Zur Performativität der Flagge

Publikationen

Knowledge Beside Itself. Contemporary Art’s Epistemic Politics, Berlin: Sternberg Press, 2019 (in Vorbereitung)

Neolithische Kindheit. Kunst in einer falschen Gegenwart, ca. 1930 [hg. mit Anselm Franke], Berlin und Zürich: diaphanes/HKW, 2018

Übergriffe. Zustände und Zuständigkeiten der Gegenwartskunst, Hamburg: Philo Fine Arts, 2014

Das Erziehungsbild. Zur visuellen Kultur des Pädagogischen [hg. mit Marion von Osten], Wien: Schlebrügge.Editor, 2010 (Schriftenreihe der Akademie der bildenden Künste Wien, 11)

Regieren im Bildraum, Berlin: b_books/Polypen, 2008

Imagineering. Visuelle Kultur und Politik der Sichtbarkeit, [hg.], Köln: Oktagon Verlag, 2000 (=Jahresring 47. Jahrbuch für moderne Kunst)

 

Kontakt

Tom Holert

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer
Tel.: +49(0)30-838-

 

tom.holert@harun-farocki-institut.org

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