Juliane Vogel

 

Juliane Vogel

Professorin für Literaturwissenschaft
Universität Konstanz

Aufenthalt

April 2018 – August 2018

Forschungsprojekt

„Nehmt Scheren!“ Schneiden, Kleben, Schreiben in der Literatur der Moderne

Die Texte der Moderne werden vielfach mit der Schere geschrieben.  Wie die Zeitungen in die Bibliotheken dringen Schere und Klebstoff  auf den Schreibtisch des Schriftstellers vor und greifen tief in traditionelle Textgrammatiken ein. Schneiden und Kleben sind Teile einer Verfahrenskette, die bestehende Texte zerstört und ihre Fragmente nach einer neuen beweglichen und jederzeit veränderlichen Syntax anordnet. Insbesondere kommen sie dann und dort zum Einsatz, wo der die Zufälle des Findens die Textproduktion regiert. Geschnittene und geklebte Texte erfinden nicht, sie operieren mit Gefundenen und Reproduziertem und lassen der Eigenlogik des Materials, seiner Dynamik wie seiner Widerständigkeit, in unerhörter Weise Raum. In meiner Zeit am Forscherkolleg Bildevidenz und daran anschließend am Wissenschaftskolleg zu Berlin, wo ich meine Forschungen vertiefen und verschriftlichen werde,  möchte ich der Frage nachgehen, was es bedeutet, mit Schere und Klebstoff zu schreiben. Die poetische wie die künstlerische Scherenpraxis des frühen zwanzigsten Jahrhunderts möchte ich vor dem Hintergrund einer Geschichte  betrachten, die der Schere die Fähigkeit zur künstlerischen Produktion absprach und sie als ein Werkzeug denunzierte, das in der Hierarchie der künstlerischen Werkzeuge nur einen geringen Rang einnahm. Scheren, so lassen sich die seither geäußerten Urteile zusammenfassen, stiften keine Form und übertragen keine Schöpfungsimpulse. Bereits Michelangelo denunzierte das Schneiden als eine „nutzlose Tätigkeit“, die jeder künstlerischen Kraft ermangele. Mit Blick auf die literarischen Verfahren der Collage und Montage und insbesondere auf die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts soll  die Geschichte ihrer Aufwertung geschrieben werden. Ich möchte den historischen und zeitgenössischen Verwendungszusammenhängen nachgehen, die sich der Arbeit mit Schere und Klebstoff in der Moderne mitteilen. Dabei soll gezeigt werden, dass die Gründe für ihre Denunziation auch die Gründe für ihre moderne Karriere sind.

Forschungsschwerpunkte

  • Grundlagen europäischer Dramaturgie
  • Formsemantik des Dramas
  • Experimentelles Schreiben in der Moderne
  • Österreichische Literatur
  • Stifter/ Hofmannsthal/ Kleist

 

Publikationen

Aus dem Grund. Auftrittsprotokolle zwischen Racine und Nietzsche. Paderborn 2017 (Reihe Bild und Text)

Kampfplatz spitzer Gegenstände. Schreiben und Schreiben um 1900. In: Konstellationen – Versuchsanordnungen des Schreibens. Hg. v. Helmut Lethen u.a., Wien 2013, S. 67- 81.

Verstrickungskünste. Lösungskünste. Zur Geschichte des dramatischen Knotens. In: Poetica, Heft 3-4, 2008, S. 269-288.

 

Kontakt

Juliane Vogel

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer
Tel.: +49(0)30-838-

juliane.vogel@uni-konstanz.de

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