Johannes Grave

 

Johannes Grave

Prof. Dr. Johannes Grave

Professor für Historische Bildwissenschaft/Kunstgeschichte
Universität Bielefeld

Aufenthalt

April – August 2017

Forschungsschwerpunkte

  • Bildtheoretische Fragen und historische Bildkonzepte
  • Temporalität des Bildes und der Bildrezeption
  • Praktiken des Vergleichens (SFB 1288, Universität Bielefeld)
  • Italienische Malerei der Frührenaissance, französische Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts sowie Kunst um 1800

Forschungsprojekt

Der Akt des Betrachtens. Zur rezeptionsästhetischen Temporalität von Bildern

Bilder sind auf besondere Weise in Zeitlichkeit verstrickt; in ihnen verschränken sich unvermeidlich verschiedenste Zeitebenen: die Zeit des Dargestellten, die Alterung des Bildträgers, Prozesse der Wahrnehmung sowie Erinnerungen und Erwartungen des Betrachters. Die Wahrnehmung von Bildern lässt sich daher nicht als simultane Schau einer gegebenen visuellen Ganzheit verstehen, sondern vollzieht sich in einer eigenen Zeit, in der das Sehen vorgezeichneten Spuren folgt oder neue Wege durch das im Bild anschaulich Gegebene bahnt. Jeder Akt des Bild-Betrachtens impliziert Prozesse, in denen verschiedene Elemente des Bildes zueinander ins Verhältnis gesetzt werden.
Für die Spezifik der Zeiterfahrungen vor Bildern sind deren rezeptionsästhetische Qualitäten von zentraler Bedeutung. Durch seine Gestaltung ermöglicht das Bild bestimmte Wahrnehmungsprozesse oder schränkt sie ein. Inwiefern und mit welchen Mitteln Bilder die komplexe Zeitlichkeit ihrer Rezeption beeinflussen, ist jedoch noch weitgehend ungeklärt. Die geplante, systematisch angelegte Untersuchung soll einen begrifflichen und analytischen Rahmen für eine Rezeptionsästhetik des Bildes entwickeln, die die Zeitlichkeit des Akts der Bildbetrachtung in ihr Zentrum stellt. Dabei ist nicht zuletzt eine neue Antwort auf die Frage zu erwarten, warum Bildern auch jenseits von täuschenden Realitätseffekten eine besondere Wirkmacht zukommen kann. Die Studie versteht sich daher als ein Beitrag zu einem vertieften Verständnis von Verfahren bildlicher Evidenzerzeugung.
Während meines Berliner Aufenthaltes werde ich versuchen, den skizzierten Ansatz in Studien zum Werk Giovanni Bellinis weiter auszuarbeiten und zu erproben.

Publikationen

Form, Struktur und Zeit. Bildliche Formkonstellationen und ihre rezeptionsästhetische Temporalität, in: Michael Gamper, Eva Geulen, Johannes Grave u. a. (Hrsg.), Zeiten der Form – Formen der Zeit (Ästhetische Eigenzeiten, Bd. 2), Hannover 2006, S. 139-162.

Architekturen des Sehens. Bauten in Bildern des Quattrocento (eikones), München 2015.

Der Akt des Bildbetrachtens. Überlegungen zur rezeptionsästhetischen Temporalität des Bildes, in: Michael Gamper und Helmut Hühn (Hrsg.), Zeit der Darstellung. Ästhetische Eigenzeiten in Kunst, Literatur und Wissenschaft (Ästhetische Eigenzeiten, Bd. 1), Hannover 2014, S. 51-71.

Caspar David Friedrich, München 2012.

Der »ideale Kunstkörper«. Johann Wolfgang Goethe als Sammler von Druckgraphiken und Zeichnungen (Ästhetik um 1800, Bd. 4), Göttingen 2006.

Landschaften der Meditation. Giovanni Bellinis Assoziationsräume (Quellen zur Kunst, Bd. 23), Freiburg i. Br. 2004.

 

Kontakt

Johannes Grave

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 112
Tel.: +49(0)30-838-50969

johannes.grave@uni-bielefeld.de

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