Helga Lutz

 

Helga Lutz

Professorin für Bild- und Kunstgeschichte der Moderne und der Gegenwart, Universität Bielefeld

Aufenthalt

Februar 2018 – April 2018

Forschungsprojekt

„Verflochtene Räume der Malerei “

Im Rahmen des Teilprojekts, das ich im Rahmen der DFG-Forschergruppe „Medien und Mimesis“ der Universität Weimar zusammen mit Bernhard Siegert leite, haben wir uns intensiv mit der Entstehung von Stilllebenräumen des 16./17. Jahrhundert als Ergebnis einer der medial-ästhetischen Ausdifferenzierung der heterogenen Räume der illuminierten Buchseite beschäftigt. Es ging uns dabei um eine kunsthistorische und kulturtechnikgeschichtliche Untersuchung der Transformationen von Schrift und Linie in textile, dreidimensionale Gebilde, die sich vom Grund der Buchseite ablösen um zunächst als Trompe-lʼoeils in Erscheinung zu treten. Bei den Fäden, Knoten, Maschen und Netzen handelt es sich um ‚Basiselemente‘ des Textilen, die, indem sie Operationen (des Knotens, Nähens, Säumens etc.) nachvollziehbar machen, der Oberfläche das Potenzial, Räumlichkeit zu erzeugen, einschreiben. Nicht nur die Trompe-lʼoeil-Objekte, sondern auch die spezifischen Räumlichkeiten, die durch sie gewissermaßen ‚aktiviert‘ werden, können so, wie in der Actor-Network-Theory üblich, als Gefüge von Operationen begriffen werden. Zentral für unsere Forschung war ein im deutschen Sprachraum nur wenig rezipierter und nie ins Deutsche übersetzter Text von Hubert Damisch aus dem Jahre 1984, der Aufsatz „La peinture est un vrai trois“ („Die Malerei ist eine wahre Dreiheit“). Darin geht der Autor der Frage nach, inwieweit das „verflochtene Tableau“ bereits am Ursprung des zentralperspektivischen Bildes existiert hat und ob es zu einer Alternative zum Modell der finestra aperta hätte avancieren können. Der Text, den Markus Sedlaczek nun übersetzt hat, soll noch in diesem Jahr in der Schriftenreihe der Forschergruppe publiziert werden. https://www.fink.de/katalog/reihe/medien_und_mimesis.html

Den Aufenthalt in der Kollegforschergruppe möchte ich dazu nutzen, einen ausführlichen Kommentar zu erarbeiten.

 

Forschungsschwerpunkte

    • Gegenwartskunst aus der Perspektive von Kulturtechnikforschung und Actor-Network-Theory
    • Bildtheoretische Fragen mit Blick auf Praktiken und Operationen
    • Kunst- und Kulturgeschichte des Faltens und Klappens
    • Niederländische und deutsche Kunst des 15. und 16. Jhdts mit Schwerpunkt auf den Materialkulturen des Religiösen
    • Entstehung des Stillebens aus der Buchmalerei des 15./16 Jhdts
      Textile Medien

Publikationen

(Im Erscheinen) „Gegenstände in Nischen. Trompe L’ Œils als Figuren stillgestellter medialer Selbstreferenz“, in: Lutz/Siegert (Hrsg.), Exzesse der Mimesis. Über Trompe l´œils und andere Durchbohrungen der ästhetischen Differenz, voraussichtlich Frühjahr 2018

(Im Erscheinen) „Linie und Faden. Text- und Bordürengestaltung in illuminierten Handschriften des 15. und 16. Jahrhunderts“, in: Johannes Grave/ Boris Roman Gibhardt ( Hg.), Schrift im Bild. Perspektiven auf Schrift-Bild-Relationen in den Künsten, Hannover, voraussichtlich Februar 2018

(Im Erscheinen) „Räumen aus Falten, Falten aus Mustern, Muster aus Bändern (15. Jahrhundert)“, in: Mateusz Kapustka, Martin Kirves, Christian Spies, Martin Sundberg (Hg.), Falten-Muster. Texturen von Bildlichkeit, Textile Studies, Edition Imorde, Februar 2018

Das Manicule: »The Hand and Meaning ever are ally´de« (zusammen mit Jörg Paulus und Andrea Hübener, in: Lutz/Schmidt/Plath (Hrsg.), Satzzeichen. Szenen der Schrift, Kaleidogramme Bd. 156, Berlin 2017, S.363-385.

„Mit Puppen spielen. Gefährliche Mimesis“, in: Zeitschrift für Medien- und Kulturforschung, Schwerpunkt Inkarnieren, Heft 871 (2017),157-177

„In der Mixed Zone“. Klapp- und Faltbare Bildobjekte als Operatoren hybrider Realitäten“ (zusammen mit Bernhard Siegert), in: Medienspezifika klappbarer Bildträger (Hg. von David Ganz/Marius Rimmele), Bild und Bild, Reimer Verlag, Berlin 2016

„Das spätmittelalterliche Stundenbuch als Medium des Entbergens. Topologien des Faltens, Klappens, Knüpfens und Webens im Stundenbuch der Katharina von Kleve“, in: Kanon Kunstgeschichte 1-4. Einführung in Werke und Methoden, Bd. 2 Neutzeit, hg. von Kristin Marek und Martin Schulz, München 2015, S. 85-109

„Oberflächen der Manuskriptkultur im 15. Jahrhundert“ in: Christina Lechtermann, Stefan Rieger (Hg.), Das Wissen der Oberfläche. Epistemologie des Horizontalen und Strategien der Benachbarung, Berlin/Zürich 2015, S. 107-125

 

 

 

Kontakt

Helga Lutz

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer
Tel.: +49(0)30-838-

helga.lutz@uni-bielefeld.de

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