Friedrich Balke

 

Porträt Friedrich Balke

Friedrich Balke

Professor für Medienwissenschaft
Ruhr-Universität Bochum

Aufenthalt

April 2014 – September 2014

Forschungsprojekt

Mindere Mimesis

 

Mimesis scheint unter modernen Bedingungen eine weitgehend ausrangierte Idee zu sein, denn die Moderne gibt sich ihren programmatischen Verlautbarungen in Kunst und Kultur zufolge wesentlich antimimetisch und originalitätssüchtig. Mein Forschungsprojekt relativiert die von Hans Blumenberg und anderen erzählte lange „Geschichte der Zersetzung und Entwurzelung der Mimesis-Idee“, denn diese Geschichte orientiert sich immer noch an der platonischen Trias von Vorbild, Abbild und Trugbild. Der platonische Mimesistyp zerfällt in dem Maße, wie moderne Massenmedien und vor allem technische Analogmedien Darstellungsformen ausgerechnet für den „Abhub der Erscheinungen“ (Freud) und die physischen Oberflächen der Welt bereitstellen, womit sie einer neuen, nicht länger ideen- oder vorbildgestützten Mimesis, einer Mimesis des Ephemeren und Geringfügigen, eine glänzende Zukunft bescheren. Mimetische Maschinen, so die These, der ich nachgehen möchte, erschüttern nicht nur Ästhetiken und medienwissenschaftliche Theoriebildung in ihren Grundfesten; am Beispiel Siegfried Kracauers soll darüber hinaus gezeigt werden, welche Effekte diese Medienrevolution auf die Vorstellung von Geschichte sowie auf die Ansetzung der Instanzen hat, die Geschichte samt ihren Lücken, Überlagerungen und Nachträglichkeitseffekten registrieren und wahrnehmbar machen. Zu diesem Zweck soll neben Kracauers Filmtheorie und dem nachgelassenen Werk zur „Geschichte – Von den letzten Dingen“ auch sein 1928 erschienener Weltkriegs-Roman „Ginster“ ausgewertet werden.

Forschungsschwerpunkte

  • Medien und Mimesis
  • Souveräne Macht und ihre mediale Delegation
  • Kultur- und Mediengeschichte von Dingen und Artefakten
  • Differenz und Wiederholung. Zeitbilder in Serien
  • Techniken der Sichtbarmachung und die Medialität epistemischer Bilder

Publikationen

Sichtbarmachung, in: Handbuch der Mediologie. Signaturen des Medialen, hg. v. Christina Bartz, Ludwig Jäger, Marcus Krause u. Erika Linz, München: Wilhelm Fink Verlag 2012, S. 253-264.

Asyl. Zur Umbesetzung eines politischen Ausnahmeraums, in: Konfigurationen. Gebrauchsweisen des Raums, hg. v. Anna Echterhölter u. Iris Därmann, Zürich: diaphanes 2012, S. 81-103.

Die Wiederkehr der Dinge, hg. mit Maria Muhle und Antonia von Schöning, Berlin: Kadmos Kulturverlag 2011.

Für alle und keinen. Lektüre, Schrift und Leben bei Nietzsche und Kafka, hg. mit Joseph Vogl und Benno Wagner, Berlin: Diaphanes 2009.

Figuren der Souveränität, München: Fink 2009.

Kontakt

Friedrich Balke

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Zimmer 106
Tel.: +49(0)30-838-50952

friedrich.balke@rub.de

Homepage an der Ruhr-Universität Bochum