Angela Bösl

Moritz Meurer, Lehrvortragsmanuskript zum Ansatz von Blättern und Verzweigungen am Stängel (Detail), um 1890, Museum Waldenburg

Moritz Meurer, Lehrvortragsmanuskript zum Ansatz von Blättern und Verzweigungen am Stängel (Detail), um 1890, Museum Waldenburg

 

Angela Bösl, M.A.

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Forschungsprojekt

(Re)Produktionen von Natur. Moritz Meurers Lehrmittelsammlung für angewandte Pflanzenstudien

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreicht die Indienstnahme der Natur als Lehrmeisterin der angewandten Künste neue Ausmaße. International rückt der Formenreichtum von Flora und Fauna in den Fokus, um eine Neuschöpfung der Formsprache zu erwirken. Neben der Objektkultur zeugt insbesondere die Kunstgewerbelehre von diesem Primat natürlicher Formgenese.
Den Verflechtungen der kunstgewerblichen Lehre mit naturwissenschaftlichen Inhalten und Methoden sowie der Verarbeitung der aufeinandertreffenden Wissensgehalte widmet sich das Promotionsvorhaben. Im Zentrum steht dabei eine Lehrmittelsammlung für angewandte Pflanzenstudien, die der Kunstgewerbelehrer Moritz Meurer (1839-1916) in den 1890er Jahren konzipierte. Dieses Ensemble zwei- und dreidimensionaler Objekte interessiert nicht nur als materialisierte Schnittstelle der Diskurse der Kunstgewerbereform und der Ornament- und Stilkritik. Vor allem die formale wie mediale Vielfalt der zugrunde liegenden Naturdarstellung und die je spezifische Ästhetik der Lehrmittel fallen auf und sind zu differenzieren, um Rückschlüsse über das didaktische Potential der Lehrsammlung zu ermöglichen.
Ziel der Untersuchung ist es, einen Zugang zur Objektgattung Lehrmittel zu entwickeln, der deren ästhetische Präsenz berücksichtigt und zugleich die mit den Objekten verbundenen Methoden und Prozesse der Reproduktion als künstlerisch und epistemisch relevant anerkennt und als Elemente gestalterischer Forschung diskutiert.

Vita

Studium der Kunstgeschichte, Mittelalterlichen Geschichte und Neueren Geschichte an der Ludwig-Maximilians- Universität München, der Université de Paris – Sorbonne IV und der Freien Universität Berlin (2004-2011). 2006-2009 studentische Hilfskraft am Deutschen Forum für Kunstgeschichte Paris sowie an der Forschungsinitiative „Wissen im Entwurf. Zeichnen und Schreiben als Verfahren der Erkenntnis“ am Max-Planck- Institut für Wissenschaftsgeschichte Berlin. 2007-2011 Praktika in den Graphischen Sammlungen des Louvre Paris und des British Museum London sowie Mitarbeit an der Ausstellung „Der Himmel. Wunschbild und Weltverständnis“ am Museum der Universität Tübingen. 2011-2013 wissenschaftliche Volontärin der Städtischen Museen Wetzlar, seit 2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Exzellenzcluster „Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinäres Labor“ an der Humboldt-Universität zu Berlin. Seit August 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin der Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz“.

Forschungsschwerpunkte

  • Interferenzen von Botanik und Kunstgewerbe um 1900
  • Ornamentstiche und Vorlagenwerke im 18. und 19. Jahrhundert
  • Theorie der wissenschaftlichen Abbildung
  • Historische Entwurfsforschung und Designtheorie

Publikationen

Natur Wissen Gestaltung. Moritz Meurers angewandtes Pflanzenstudium als gestalterische Forschung, in: Kat.Ausst. „+ultra. gestaltung schafft wissen“, hrsg. von Nikola Doll, Horst Bredekamp und Wolfgang Schäffner,Martin-Gropius- Bau Berlin, Leipzig (erscheint im September 2016).

Pflanzen Formen Lehre. Historische und aktuelle Positionen des zeichnerischen Pflanzenstudiums an der Universität der Künste Berlin, mit Texten von Angela Bösl und Kerstin Hille, hrsg. und bearb. von dens., Berlin 2016.

Studieren statt imitieren. Die Pflanze als Modell in der kunstgewerblichen Lehre Moritz Meurers, in: Kat. Ausst.„modellSchau. Perspektiven auf botanische Modelle, hrsg. von Kathrin Grotz, Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin Dahlem, Berlin 2015, S. 34-41.

Himmelsbild I, in: Kat. Ausst. Der Himmel. Wunschbild und Weltverständnis, hrsg. von Ernst Seidl, Philipp Aumann und Frank Duerr, Museum der Universität Tübingen, Tübingen 2011, S. 55-65.

 

Kontakt

Angela Bösl

Kolleg-Forschergruppe BildEvidenz

Arnimallee 10
14195 Berlin

Tel.: +49(0)30-838-61432

angela.boesl@fu-berlin.de
Homepage am KHI

Bildnachweis: Archiv Angela Bösl